"We must make the building of a free society once more an intellectual adventure, a deed of courage." – F.A. von Hayek

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Es gibt Tage, an die erinnert man sich… aber auch nach 10 Jahren kann man sie nicht wirklich einordnen. Ich weiß nicht, was er für mich bedeutet, aber ich weiß er bedeutet mir etwas. Das Gefühl, wenn ich an den 11. September 2001 und die Dekade des Krieges danach denke, ist irgendwie tief und ernst. Damals war ich Student. Ich was „links“ (ohne wirklich definieren zu können, was „links“ denn sei) und ich war amerikakritisch (wie irgendwie jeder). Heute bin ich kein Student mehr und fühle ich mich den USA viel näher als damals.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2011 änderte sich die Welt für fast jeden. Viele meinen (hinter vorgehaltener Hand) ihr Verhältnis zu Muslimen hätte sich danach geändert. Das mag für diese Menschen sein, bei mir ist es (glaube ich) nicht so. Vielleicht hatte ich damals (und habe noch heute) genug Freunde, die Muslime sind und bei denen mir nicht in den Sinn käme schlecht über sie zu denken. Und ich finde das schön so. Das lasse ich mir von keinem schreibselnden SPD-Ex-Bundesbänker und von keinem (ebenfalls) barttragenden voraufklärerischen Kleingeist vermiesen.

Aus deutscher Sicht finde ich den Umstand aber bestürzender, denn im Nachgang zum 11. September 2011 führte unser Land einen Krieg, der erst so nicht heißen dufte und dann auch noch völlig konzeptlos angegangen wurde. Afghanistan ist heute der längste Krieg an dem deutsche Soldatinnen und Soldaten beteiligt sind … seit dem Dreißigjährigen Krieg, der bekanntlich 1648 endete.

Ich war immer gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, … schon überhaupt in dieser Form. Natürlich bin ich aber auch nicht für die Ruck-Zuck-Rückzug-Lösung, wie die Linkspartei sie heute postuliert. Es gibt gute Gründe gegen den Einsatz und (einige) Gründe für ihn. Das schlimmste aber ist in meinen Augen, dass sich in Deutschland niemand zu sorgen scheint, um unsere Mitbürger in Uniform und deren Familien, die am Hindukusch leben und sterben sollen.

Als Demokrat habe ich eine Verantwortung. Ich kann nicht einfach sagen, ich sei gegen den Krieg und deshalb hätte ich auch mit dessen Folgen nichts zu tun. Folgen für diejenigen Männer und Frauen, die unsere Republik dorthin sendet, per Mehrheitsbeschluss. In Demokratien bestimmen Menschen mitunter, dass ihre Nachbar für sie kämpfen und sterben sollen. Darin liegt in meinen Augen ein gewaltiges, moralisches Problem.

Jedenfalls hatte ich es vor drei Wochen satt und habe an einem kleinen Baum im Vorgarten eine gelbe Schleife angebracht. Unsere Vermieter haben mal gefragt, was es damit auf sich hätte. Als ich erklärt hatte, was der Sinn der gelben Schleife ist und dass sie bleiben solle, bis alle Soldatinnen und Soldaten wieder zuhause seien, fanden sie es ein schöne Idee. Ich wünschte nur, ich hätte keinen Anlass gehabt, eine gelbe Schleife aufzuhängen.

Und ich weiß nicht, was die „Lehren“ aus dem 11. September sein sollten und ob es sie gibt und wie man sie finden soll. Ich weiß aber, dass mich dieser Tag gelehrt hat, dass unter all den ehrbaren Berufen unserer Welt drei sind, die man unter lauter Astronauten und Ärzten zu unrecht übersieht und das sind: Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter: Menschen, die sich in dem Übel in den Weg stellen, um andere zu retten.

Vielleicht können wir in 10 Jahren mehr sagen über diesen Tag; aber selbst wenn es nur bei dieser Erkenntnis bleibt, wäre dem dunklen Tag ein Licht entsprungen.

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