"We must make the building of a free society once more an intellectual adventure, a deed of courage." – F.A. von Hayek


Heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben protestgewählt: Bei uns Landrat und Bürgermeister neu gewählt. Ich gab meinem bisherigen Landrat Stefn Reuß (SPD) meine Stimme. Gar nicht mal so sehr, weil ich seine Politik für sonderlich schlau oder gar vorteilhaft für den Kreis hielt, sondern … naja weil ich ihn ein wenig kenne. Er ist kein großer Sprücheklopfer (und auch kein großer Redner). Er ist in meinen Augen ein solider (relativ bescheidener) Sozialdemokrat, der noch genug Ehrfurcht vor seiner Verantwortung hat. Mit dieser Entscheidung bin ich auch sehr zufrieden.

Dann aber war da noch die Bürgermeisterwahl: auf persönlicher Ebene komme ich mit meinem jetzigen Bürgermeister (ebenfalls SPD) überhaupt gar nicht zurecht. Ich habe zig mal das Gefühl gehabt, er verwalte „seine“ Stadt nach Gutsherrenart und sein Kopf-Kompass zeigt immer in Richtung kameralistische Geheimverwaltung. … allein Geld ausgeben, dass er nicht hat und Projekte mit Anlagemodellen teilfinanzieren, die er nicht versteht (Zinsswaps) … das konnte er.

So hatte ich also die Wahl zwischen drei Alternativen: einem Linken, der von den Grünen aufgestellt wurde, einem Christdemokraten, der wohl auf einer Bürgermeisterliste der CDU stand und nicht aus der Gegend kommt und einem Parteilosen, über den ich eigentlich nichts wusste außer, dass er (als ex-CDU-Mitglied) mit“parteilos“ und „von hier“ warb.

Der Christdemokrat mag ein netter Kerl gewesen sein … ich habe es nie erfahren und werde es wohl auch nie erfahren. Na, und da hatte ich noch einen Wassermelonen-Kandidaten (außen grün innen rot). Der immerhin hatte eine gute Website. Ich mag halt die Linke so gar nicht.

So habe ich also das kleinste dieser drei Übel gewählt und ich überlege, ob ich das nicht hätte anders machen sollen. Ich bin gar nicht zufrieden mit dieser Wahl. Man sollte eine Wahlentscheidung nicht danach treffen, wen man für den kleinsten Idioten hält. Ich habe den gewählt, von dem ich die meisten Plakate gesehen hatte und … ich hatte ein Kalkül: ich dachte, dass sich alle anderen auch so entscheiden werden, die den derzeitigen Bürgermeister nicht mehr wollen. Andererseits warum beklage ich mich. Die Klappe aufreißen kann ich, aber sich selbst zu Wahl stellen hätte ich ja auch nicht gewollt.

Wie dem auch sei: das kleinste Übel zu wählen fühlt sich scheiße an.

EDIT: Stefan Reuß hat über 78 % bekommen, mein Kalkül betreffend Jürgen Herwig ist hingegen nicht aufgegangen: mit 54,1 % muss er nicht einmal in die Stichwahl. Andererseits bei einer Wahlbeteiligung von 54%, heißt das ja auch, dass gut 75% der Wahlberechtigten nicht für diesen Bürgermeister gestimmt haben.

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