"We must make the building of a free society once more an intellectual adventure, a deed of courage." – F.A. von Hayek


Sehr geehrte Damen und Herren,

als mittlerweile langjähriges Mitglied der HU habe ich die Debatte um einen staatlichen Strafanspruch bei Knaben-Beschneidungen im Inland verfolgt und auch die Stellungnahme von Jutta Roitsch-Wittkowsky und Florian Beger mit Interesse zur Kenntnis genommen. Sie liegen richtig; die übrige HU liegt  mehrheitlich m.E. falsch.

Obwohl meine Frau und ich uns als Christen verstehen, haben wir (wohl überlegt) auf die Kindstaufe unseres Sohnes verzichtet. Dies war das Ergebnis einer langen Diskussion in unserer Familie und wir sind sehr glücklich mit der Entscheidung. Wir wissen aber auch (und das aus unserer eigenen Familie), dass die (Knaben-)Beschneidung mehr ist als ein religiöser Habitus. Mit ihr einher geht ein Verständnis von Zugehörigkeit und Identität, das – wenngleich ich es in dieser Form für überkommen halte – ein gesellschaftliches Faktum ist. Die Knabenbeschneidung zu verbieten bedeutete, den Kindern ein Stück familiäre Identität vorzuenthalten.

Der Verbot der Beschneidung und eine Kriminalisierung  der Praxis andererseits sendet an die bereits beschnittenen (erwachsenen) Männer das folgende Signal: „Eure Eltern und Großeltern sollten für das, was Eure Familien-Identität ausmacht ins Gefängnis gehen; so ist es der Wille der deutschen Bevölkerung!“ Nicht eben ein Signal, das zum Miteinander einlädt.

Wir würden jeden versuchen, zu überzeugen, dass Beschneidung, Taufe, Firmung oder ein anders Ritual erst nach der Religionsmündigkeit des Betroffenen Kindes und nur auf dessen Wunsch stattfinden sollten. Niemals aber würden wir an dieser Stelle einem staatlichen Strafanspruch das Wort reden!

Allein die Vorstellung, dass deutsche Exekutivbeamte auf Neugebohrenenstationen auf die Suche nach den Kindern von jüdischen, orthodoxen und muslimischen Eltern gehen, um ggF. einen Strafanspruch des Staates gegen die Kindseltern durchzusetzen ist mir derart ein Gräuel, dass sich jede Diskussion erübrigen dürfte. Vom sicher einsetzenden Beschneidungs-Tourismus in die Niederlande oder in die Schweiz ganz zu schweigen.

Mir hat sich der Verdacht aufgedrängt, dass einige in der HU hier nach dem Motto verfahren: wenn’s gegen die organisierte Religion geht, sind wir mit dabei; die Mittel sind uns völlig egal.

Davon, dass Strafrecht „ultima ratio“-Charakter haben sollte, ganz zu schweigen. Hier hat der rechts-philosophische Kompass einiger HU-Mitglieder wohl völlig ausgesetzt. Wo waren etwa die Vorschläge für ein abgestuftes Vorgehen: zunächst Aufklärung über die Folgen der Beschneidung für die Kinder, dann vorenthalten von staatliche „Wohltaten“? Nein, das Strafrecht wurde allenthalben als geeignetes Mittel angesehen, die Mehrheitsmeinung durchzusetzen. Auch nur in Erwägung zu ziehen, dass irgendwelche Beamte, die – seien wir ehrlich – weder die Kultur der Familien, noch die sonstige familiäre Situation, geschweige denn die religiösen Traditionen kennen, besser wissen, was gut für ein (ihnen völlig unbekanntes) Kind ist als die eigenen Eltern ist einer liberalen Bürgerrechtsbewegung absolut unwürdig.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, meine Mitgliedschaft in der HU zu beenden.

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